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FragenBildung

Page history last edited by Felix Schaumburg-Blum 10 years, 8 months ago

Fragen an die Bildung

 

(1) Unser bestehendes Bildungssystem (Curricula & praktischer Unterricht in Schule und Hochschulen) fokussiert nicht (mehr) das Wissen, das nötig ist, um unsere rapide sich wandelnde Welt zu verstehen. Und es vermittelt nicht (mehr) die Fähigkeiten, um sich in dieser Welt zurechtzufinden und sich die richtige Ziele zu setzen.

 

Wie können wir in das Bildungssystem eingreifen, um das zu ändern? (a) grundsätzlich, (b) graswurzelhaft-subversiv?

 

(2) Unser bestehendes Bildungssystem ruft nach sehr viel mehr Geld, um auch nur den Status Quo aufrecht zu erhalten. Wir wissen, wenn wir ehrlich sind, dass nach der Großen Krise noch nicht einmal dieses Geld zur Verfügung stehen wird. Geschweige denn Geld für dringend nötige Reformen.

 

Wie können wir also die notwendige positive Dynamik in Gang bringen, ohne mehr Geld auszugeben? Wie können wir mit geringem Einsatz von Mitteln möglichst große Wirkungen erzielen?

 

(3) Aus der Perspektive der Lernenden sieht es so aus, dass die offizielle Bildung nötig erscheint, um Zertifikate zu erwerben, die mit immer mehr Lebenszeit und Geld bezahlt werden müssen, aber immer weniger wert sind. Zugleich müssen sie daneben, von irgendwo anders,  Wissen und Skills erwerben, die sie befähigen, sich in der rapide verändernden Welt durchzuschlagen.

 

Was sollen diese Lernenden tun? Was können sie tun? (a) In den Schulen; (b) in der beruflichen Bildung; (c) in den Universitäten (Bachelor); (d) in den Universitäten (höhere Abschlüsse); (e) in prekären beruflichen Verhältnissen (Wissensarbeiter); (f) in prekären beruflichen Verhältnissen (Informationsarbeiter); (g) in prekären beruflichen Verhältnissen (Blue Collar); (h) in einem festen Beschäftigungsverhältnis, wissend, dass sie in ihrem Leben mindestens dreimal nicht nur die Anstellung, sondern das Berufsbild wechseln werden müssen?

 

Einschub: Wo kommen die "Antworten" hin? Sollen auf dieser Seite nur Fragen gestellt werden, oder können die hier aufgeworfenen Fragen auch diskutiert werden? Ich diskutiere mal weiter. Falls das hier nicht passt, können meine Inhalte gern woanders hin geschoben werden.

Antwort Basti: Die Fragen stellen sich besonders wegen der geplanten Interviews, können aber auch gerne von euch beantwortet und hier kommentiert werden.

 

(i) In den hier gestellten Fragen erscheint das Bildungssystem als eine Menge von Organisationen bzw. Institutionen. Institutionen lassen sich aber nur schwer verändern, insbesondere wenn der Aufruf dazu von Außen an sie herangetragen wird. Eine Gruppe von Menschen, die das Bildungssystem verändern will, sollte deshalb nicht zu viel Energie in den Dialog mit den Institutionen stecken, sondern eher in Richtung alternativer Bildungsangebote denken.

Die Institutionen werden aber nicht verschwinden - und solange ihnen die gesellschaftliche Funktion "Bildung" offiziell zugeteilt wird, werden sie diese auch wahrnehmen, wie schlecht auch immer. Die Instituionen werden sich notgedrungen verändern. In den Institutionen sitzen auch Bildungshacker.

(ii) Der Blick auf die Institutionen lenkt auch etwas vom Internet ab, das für die Bildung der Zukunft eine enorme Rolle spielt und im Prinzip anti-institutionell organisiert ist. Die Nachfrage nach einer besseren, anderen Bildung wird sich zumindest teilweise ihr eigenes Angebot im Internet schaffen. Genau genommen ist bereits dieses Wiki ein Teil dieser Lösungsstrategie.

Was fürderhin eine "Institution" ist, wird sich auch neu definieren. Institution ist kulturhistorisch gewachsen und ihr Inhalt nicht für alle Zeiten festgelegt. Das was in den alten Bildungsinstitutionen gemacht wird und das was im neuen Internet sich an Bildung herausbildet, wird sich vielleicht verschränken/durchdringen und zu einem neuen "Etwas" werden.

Dass das "Internet" eine große Rolle spielt bedeutet nicht, dass die klassischen Bildungsinstitutionen darunter leiden. Das "Internet" ist ein Tool, welches qualitativ und quantitativ neue Dimensionen der Kommunikation ermöglicht. Aber so wenig wie der Fernseher und die TeleKollegs die Schule abgeschafft haben, wird dies auch das Internet nicht tun. Nur die Rezeption von Wissen in der Schule wird sich ändern - wie auch Filme als normale Informationsquelle über TV und VHS Einzug gehalten haben in den normalen Unterricht (Kennzeichen: TV und VHS läuft nicht unter "neue Medien").

 

(iii) Zur Frage der formalen Bildungsaspekte (Abschlüsse, Zertifikate, Diplome...): Ist es nicht denkbar, dass deren Bedeutung sinkt? Ja, das tun sie in der Tat! Aber nur tendenziell in einem längerfristigen Prozess. NOCH können nur wenige Personen tatsächlich auf Zertifikate verzichten. NOCH darf man nicht ohne ein Abitur studieren. Im Gegenteil: Bei der Verknappung der Studienplätze werden sogar die Riemen enger geschnallt und der NC in den meisten Fächern steigt. Ja, die Bedeutung im Sinne von "Aushängeschild" sinkt, da Bildungsabschlüsse inzwischen Masseartikel sind (bzw. die Absicht besteht, sie dahin zu führen). Wer ein Zertifikat hat, kann sich nicht damit brüsten, wer es jedoch nicht hat, hat verloren. Von daher ist die Frage der "Bedeutung" gerade im Hinblick auf Abitur und Studium (BA) sehr zweischneidig. Das Konzept der festen Berufsbilder mit den dazu gehörenden (typisierten) Ausbildungswegen wird einer sich schnell verändernen Welt ohnehin immer weniger gerecht. Allerdings werden wir hier auch kaum eine völlige Anarchie sehen, da in vielen Berufszweigen eine solide Vorbildung erforderlich ist (Medizin, Engineering, Chemie, Recht...).

In der Übergangsgesellschaft darf man keinesfalls leichtfertig die alten Institutionen und Regeln für tot oder nutzlos erklären, solange sie noch reale Macht haben. (Das kostet krass gesagt unnötig viele Menschenleben.) Man muss lange mit beiden gleichzeitig leben: sowohl mit dem existierenden und schlecht funktionierenden alten Modell als auch mit dem parallele existierenden neuen Modell. Und die dazu gehörenden Widersprüche nicht nur aushalten, sondern so nutzen, dass sie helfen das noch unbekannte Dritte in der Zukunft emergieren zu lassen. In der Zukunft erweist sich das, was wir heute als Gegenmodell (neu) erleben, nämlich als Zwischenstufe, das wirklich Neue ist das noch unbekannte Dritte.

Auch ohne feste Berufsbilder hat die Ausbildung an Schule und Uni eine Berechtigung. Sie zeigt in der aktuellen Ausgestaltung der Bildungsinstitutionen, dass eine Person in getakteten Schichten Wissen konsumieren, gezielt wieder ausspucken und sich mit Themen intensiv und langfristig auseinandersetzen kann. Diese Kompetenzen sind wahrscheinlich nicht alle bewusst eingeplant und sollten überdacht werden.

Ausbildung und Studium können auch bedeuten, dass man Personen von der produktiven Arbeit befreit und ihnen die Möglichkeit gibt, eigenen Interessen nachzugehen und ihnen damit gerade in den ersten Phasen des Berufseinstiegs Erfahrungen ermöglicht ("Fehler" machen), die in der freien Konkurrenz möglicherweise fatal wären.

(iv) Ein konstruktiver Ansatzpunkt könnte die Nachhilfe sein. Vielleicht lässt sich hier das Konzept von Jean-Pol Martin, Lernen durch Lehren, mit einer Plattform im Web verknüpfen, so dass sich Schüler gegenseitig helfen können. Ansatzweise gibt es das schon, teilweise auf der Basis von Foren. Allerdings steht hinter den bestehenden Angeboten im Web meist kein didaktisch-wissenschaftliches Konzept dahinter, so dass der "offizielle Bildungsbetrieb" diese geflissentlich ignorieren kann.

Witzig: "Nachhilfe". Die Bedeutung von Nachhilfe ist doch untrennbar gekoppelt an das institutionelle Bildungssystem. Sie ist die außerschulische Helferinstanz, die das nicht mehr ausreichend funktionierende Bildungssystem mittels STÜTZT! Es ist ja quasi im System miteingeplant. Das kann man doch gerade nicht als Ansatzpunkt nehmen. Es wäre, als würde man die Krücken als Ausweg sehen, die dem Lahmen beim Laufen helfen, weil das OP-System die Lähmung nicht beheben kann.

"Nachhilfe" oder auch "Vertretungsstunden" sind Begriffe, die in einem neuen Verständnis von Schule obsolet werden müssen, da sie von einem Bildungsbegriff ausgehen, der sich inzwischen überholt hat. LdL ist in diesem Rahmen weniger als "Nachhilfe" sondern als "self-coaching" zu verstehen.

 

10 Fragen an Steli Efti (supercoolschool.com)

 

(1) When Supercoolschool will have turned out to be a smashing success in 3 years, what will it be like? What will people do there, and how? What kind of people?

(2) Biographically, you do not seem to have an educated, bourgeois background. How come you came to be a fanatical reader, a geek and a "learning lunatic"?

(3) What is the meaning of "learning" to you?

(3) What's the story behind SuperCoolSchool? How long did  it take you to launch?

(4) Why do we need a Supercoolschool, can't we just improve the regular one?

(5) What's the best thing you've learned since starting Supercoolschool?

(6) You seem to rely very much on a teleconferencing tool. How is the user experience? How do you help people to get vital, spontaneous sessions going?

(7) You now use a loose course/session-metaphor for structuring learning. Everyone can enroll in a course presented by some expert. Do you think there could also be self-organized groups of learners emerging? How could such groups be structuring themselves? What other tools might they need?

(8) Where do you see the greatest danger for the project to fail?

(9) There was a conference in NYC organized by some Venture Capitalists called "Hacking Education". What is your definition of "hacking" in that context?

(10) What types of learners can be supported by Supercoolschool, beyond Web 2.0 geeks?

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